Aktualisiert am 9. Oktober 2026
Kurzantwort
XML (Extensible Markup Language, „erweiterbare Auszeichnungssprache") ist ein Textformat, um Daten strukturiert zu speichern und zwischen Programmen auszutauschen. Die Daten stehen zwischen selbst gewählten Tags wie <name>…</name>, sodass Menschen und Maschinen sie lesen können. Das W3C hat XML 1998 als Standard veröffentlicht. Du begegnest dem Format heute täglich, oft ohne es zu merken: in Word-Dateien, E-Rechnungen, Podcast-Feeds oder den Sitemaps von Websites.
XML in einem Satz und einem Beispiel
Stell dir XML wie ein beschriftetes Ablagesystem vor: Jede Information landet in einer Schublade mit Etikett, und Schubladen können weitere Schubladen enthalten.
<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<kontakt>
<name>Anna Beispiel</name>
<email>[email protected]</email>
<adresse>
<ort>Hamburg</ort>
<plz>20095</plz>
</adresse>
</kontakt>
Auch ohne Vorkenntnisse erkennst du sofort, was hier gespeichert ist. Genau das ist die Stärke von XML: Die Struktur beschreibt sich selbst.
Was bedeutet „erweiterbar"?
In HTML ist festgelegt, welche Tags es gibt: <p> für Absätze, <a> für Links und so weiter. XML hat keine vorgegebenen Tags. Du oder die Entwickler eines Formats legen selbst fest, ob ein Element <kontakt>, <rechnung> oder <messwert> heißt. XML ist damit weniger eine fertige Sprache als ein Regelwerk, mit dem man eigene Datenformate baut.
Damit Programme sich trotzdem verstehen, einigen sich die Beteiligten auf ein gemeinsames Vokabular. Oft wird es in einem XML Schema (XSD) festgehalten, gegen das sich Dateien automatisch prüfen lassen.
Wo dir XML im Alltag begegnet
| Wo? | Was steckt dahinter? |
|---|---|
| Word, Excel, PowerPoint | .docx, .xlsx und .pptx sind ZIP-Archive voller XML-Dateien (Format Office Open XML). Auch LibreOffice nutzt mit OpenDocument ein XML-Format. |
| E-Rechnung | Die in Deutschland verbreiteten Formate XRechnung und ZUGFeRD basieren auf XML. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen (außer Kleinunternehmern) E-Rechnungen empfangen können. |
| Websites | Die sitemap.xml, mit der Websites Suchmaschinen ihre Seiten melden, ist XML. |
| Podcasts und News | RSS- und Atom-Feeds sind XML-Dateien. |
| Grafiken | SVG-Vektorgrafiken sind XML und lassen sich direkt im Texteditor bearbeiten. |
| Software | Viele Programme speichern Einstellungen in XML, Android-Apps beschreiben ihre Layouts oft in XML. |
Kleiner Selbstversuch: Kopier eine .docx-Datei, benenne die Kopie in .zip um und entpacke sie. Im Ordner word findest du die Datei document.xml mit deinem Text.
XML vs. HTML
Beide sehen ähnlich aus, weil sie auf dieselbe Wurzel (SGML) zurückgehen. Sie verfolgen aber unterschiedliche Ziele:
| XML | HTML | |
|---|---|---|
| Zweck | Daten speichern und transportieren | Inhalte im Browser darstellen |
| Tags | frei wählbar | fest definiert |
| Fehlertoleranz | streng: ein Fehler, und die Datei ist unlesbar | tolerant: Browser korrigieren vieles |
| Groß-/Kleinschreibung | wird unterschieden | wird bei Tags nicht unterschieden |
Wie HTML heute funktioniert, erklärt der Artikel Was ist HTML? Grundlagen, HTML 4.01 und der heutige Standard.
XML vs. JSON
Für Web-APIs hat JSON XML in vielen Bereichen abgelöst, weil es kürzer ist und direkt zu JavaScript passt. Derselbe Kontakt als JSON:
{
"name": "Anna Beispiel",
"email": "[email protected]",
"adresse": { "ort": "Hamburg", "plz": "20095" }
}
| XML | JSON | |
|---|---|---|
| Lesbarkeit | ausführlicher, aber sehr klar | kompakter |
| Attribute, Kommentare | ja | keine Attribute, keine Kommentare |
| Gemischter Text mit Auszeichnung | gut geeignet (Dokumente) | umständlich |
| Validierung | XSD, DTD, RELAX NG | JSON Schema |
| Typische Einsatzorte | Dokumente, Behörden- und Finanzdaten, Office-Dateien | Web-APIs, Konfiguration, Apps |
Veraltet ist XML deshalb nicht. Überall, wo Dokumente, strenge Validierung oder langjährige Standards gefragt sind, bleibt es gesetzt.
Die wichtigsten Regeln in Kurzform
- Es gibt genau ein äußeres Element (im Beispiel
<kontakt>). - Jedes geöffnete Tag wird wieder geschlossen.
- Tags werden sauber verschachtelt, nicht überkreuzt.
<Name>und<name>sind verschiedene Tags.- Sonderzeichen wie
&werden als&geschrieben.
Hält sich eine Datei an diese Regeln, gilt sie als wohlgeformt. Alle Details, von Entitäten über CDATA bis zu Namensräumen, findest du im Artikel Extensible Markup Language (XML): Syntax und Regeln.
XML-Datei öffnen: so geht's
- Anschauen: Zieh die Datei in einen Browser wie Firefox oder Chrome. Er zeigt die Struktur übersichtlich an und meldet Syntaxfehler.
- Bearbeiten: Nutze einen Texteditor. Unter Windows reicht der Editor, komfortabler sind Code-Editoren mit Syntaxhervorhebung.
- Als Tabelle ansehen: Excel kann einfach aufgebaute XML-Dateien über „Daten → Daten abrufen" importieren.
- E-Rechnungen lesen: Eine XRechnung ist für Menschen schwer lesbar. Dafür gibt es spezielle Viewer, viele Buchhaltungsprogramme bringen einen mit.
FAQ
Ist XML eine Programmiersprache?
Nein. XML beschreibt nur Daten und ihre Struktur. Es enthält keine Befehle, Schleifen oder Berechnungen.
Wer hat XML entwickelt?
Eine Arbeitsgruppe des World Wide Web Consortium (W3C). XML 1.0 wurde am 10. Februar 1998 als W3C-Empfehlung veröffentlicht.
Kann eine XML-Datei gefährlich sein?
Die Datei selbst führt keinen Code aus. Programme, die XML verarbeiten, müssen aber sauber konfiguriert sein. Bekannte Angriffe wie „XML External Entity" (XXE) nutzen falsch eingestellte Parser aus. Für dich als Nutzer gilt: XML-Dateien aus unbekannten Quellen nur in einem Editor oder Browser ansehen.
Brauche ich XML, um eine Website zu bauen?
Nicht direkt. Für die Seiten selbst nutzt du HTML und CSS. Eine XML-Sitemap erzeugen die meisten CMS wie WordPress automatisch.







