Aktualisiert am 9. Oktober 2026
Kurzantwort
Der Atari STPad (auch ST-Pad oder „Stylus“) war ein tragbarer Atari ST mit Stifteingabe und Handschrifterkennung, entwickelt um 1991/92. Er ist eng mit dem Notebook ST-Book verwandt, das Tracey Hall entworfen hatte. Als Massenspeicher waren zwei Flash-Speicherkarten vorgesehen. Der STPad kam nie in den Handel. Kurz darauf zog sich Atari aus dem Computergeschäft zurück und setzte auf die Spielkonsole Jaguar. Heute gilt er als früher Vorläufer moderner Tablets.
Was belegt ist
Gesicherte Informationen gibt es wenige. Diese Punkte lassen sich mit Quellen belegen:
- Stifteingabe mit Handschrifterkennung: Die deutsche Wikipedia führt den „ST-Pad ‚Stylus‘“ als Prototyp eines Atari ST mit Stifteingabe und Handschrifterkennung.
- Speicher auf Flash-Karten: Laut Wikipedia nutzte er ausschließlich zwei parallel einsetzbare Flash-Module als Massenspeicher, also weder Diskette noch Festplatte.
- Verwandtschaft mit dem ST-Book: Die ST-Computer testete im Januar 1992 das ST-Book. Dabei beschrieb sie den 120-poligen Erweiterungsbus des Notebooks. Auf diesem Bus liegt ein Signal, an dem externe Hardware erkennt, ob sie an einem ST-Book oder an einem STYLUS (ST-Pad) steckt. Beide Geräte teilten sich also Teile ihrer Architektur.
Überlieferte technische Daten
Die folgenden Angaben stammen aus Sammler- und Museumsbeschreibungen. Wir konnten sie nicht mit einer zeitgenössischen Quelle prüfen:
| Bereich | Überlieferte Angabe |
|---|---|
| CPU | Motorola 68000, 8 MHz (wie im ST-Book) |
| RAM | geplante Versionen mit 1 MB und 4 MB |
| Display | LCD ohne Hintergrundbeleuchtung, gleiches Epson-Modul wie im ST-Book |
| Speicher | zwei Steckplätze für Flash-Karten (oft als JEIDA-Standard beschrieben) |
| Betriebssystem | TOS, erweitert um Funktionen für die Stiftbedienung („PenOS“) |
| Akkulaufzeit | 10 bis 20 Stunden |
Die Eckdaten passen zum ST-Book. Laut ST-Computer hatte es einen 68000 mit 8 MHz, 1 MB RAM (eine 4-MB-Version war angekündigt) und ein Display ohne Beleuchtung. Atari gab für das ST-Book 5 bis 10 Stunden Laufzeit an. Beim STPad ohne Tastatur und Festplatte ist eine längere Laufzeit plausibel.
Häufig wird auch berichtet, Atari habe für die Handschrifterkennung mit der russischen Softwarefirma ParaGraph International zusammengearbeitet. Belastbare Belege dafür haben wir nicht gefunden.
Wofür der STPad gedacht war
Als Einsatzgebiete werden mobile Datenerfassung genannt, zum Beispiel Inventur im Lager oder Dokumentation in Krankenhäusern. Das passt in die Zeit: Anfang der 1990er Jahre galten Pen-Computer als nächster großer Markt. Mehrere Hersteller arbeiteten an Stift-Rechnern, Apple brachte 1993 den Newton MessagePad auf den Markt.
Warum der STPad nie erschien
Atari stellte 1993 die gesamte ST-Computerlinie ein, um sich auf die Jaguar-Konsole zu konzentrieren. Auch der Atari Falcon 030: Ataris letzter Computer im Porträt wurde kurz nach seinem Start aufgegeben. Für einen neuen Gerätetyp wie den STPad blieb kein Budget. Überliefert ist, dass nur noch wenige funktionsfähige Exemplare existieren.
Einordnung in die ST-Familie
Der STPad zeigt, wie weit Atari die ST-Architektur treiben wollte: vom Schreibtischrechner wie dem Atari 520 ST über den tragbaren Stacy und das ST-Book bis zum Tablet. Technisch blieb er beim 68000 mit 8 MHz. Die Multimedia-Funktionen des Atari 1040 STE (DMA-Sound, 4.096 Farben) waren für ein monochromes Stiftgerät ohnehin nicht nötig.
Für Sammler: STPad-Prototypen sind extrem selten und tauchen fast nie auf. Bei Angeboten solltest du auf lückenloser Herkunft bestehen. Ein ST-Book ist kein STPad, auch wenn beide ähnlich aussehende Displays haben.
FAQ
Ist der Atari STPad je verkauft worden?
Nein. Er blieb ein Prototyp.
Was ist der Unterschied zwischen STPad und ST-Book?
Das ST-Book ist ein Notebook mit Tastatur und 2,5"-Festplatte, das 1991 erschien. Der STPad sollte ohne Tastatur per Stift bedient werden und Daten auf Flash-Karten speichern.
Heißt das Gerät STPad oder Stylus?
Beide Namen sind in Gebrauch. In der ST-Computer von 1992 taucht „STYLUS (ST-Pad)“ auf, die deutsche Wikipedia nennt es „ST-Pad ‚Stylus‘“.
War der STPad ein Tablet?
Im heutigen Sinn ein früher Vorläufer: ein flaches, tragbares Gerät, das per Stift bedient wird und Handschrift erkennt.







