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Festplatte im BIOS formatieren – so funktioniert es wirklich

Aktualisiert am 9. Oktober 2026

Kurzantwort: Das BIOS bzw. UEFI selbst kann eine Festplatte nicht formatieren. Du startest den PC stattdessen über das BIOS-Bootmenü von einem Windows-11-Installations-USB-Stick und löschst bzw. formatierst die Laufwerke im Setup unter „Partition löschen" und „Formatieren". Einige neuere Mainboards und Laptops (z. B. von MSI, Lenovo, Dell oder HP) bieten zusätzlich eine Secure-Erase-Funktion direkt im UEFI, mit der du eine SSD vor dem Verkauf vollständig löschst.

Achtung, Datenverlust: Alle folgenden Methoden löschen die Daten auf dem gewählten Laufwerk unwiderruflich. Sichere vorher alles, was du behalten willst, auf ein externes Medium oder in die Cloud – und prüfe zweimal, welches Laufwerk du auswählst.

Welche Methode passt zu dir?

Ziel Methode Dauer
Windows neu installieren Windows-11-USB-Stick, Partitionen im Setup löschen Minuten
Zweite Festplatte leeren, Windows läuft noch Datenträgerverwaltung in Windows Minuten
SSD vor Verkauf sicher löschen Secure Erase im UEFI oder Hersteller-Tool Minuten bis ca. 1 Stunde
HDD vor Verkauf sicher löschen diskpart mit clean all oder Secure Erase Mehrere Stunden
PC komplett weitergeben Windows: „Diesen PC zurücksetzen" mit Laufwerksbereinigung 1–3 Stunden und mehr

Methode 1: Mit Windows-11-USB-Stick formatieren

Das brauchst du

  • Einen USB-Stick mit mindestens 8 GB (wird komplett gelöscht)
  • Einen zweiten PC, falls deiner nicht mehr startet
  • Das Media Creation Tool von der offiziellen Microsoft-Seite „Windows 11 herunterladen"

Schritt für Schritt

  1. Stick erstellen: Media Creation Tool starten, Installationsmedien erstellen » USB-Speicherstick wählen und dem Assistenten folgen. Alternativ lädst du die ISO-Datei und schreibst sie mit einem Tool wie Rufus auf den Stick.
  2. Vom Stick booten: Stick einstecken, PC neu starten und sofort mehrmals die Bootmenü-Taste drücken. Je nach Hersteller ist das z. B. F12, F11, F8 oder Esc. Wähle dort den USB-Stick (bei UEFI-Systemen oft mit „UEFI:" davor).
  3. Kein Bootmenü? Dann ins BIOS/UEFI wechseln (meist Entf oder F2 beim Start) und im Bereich Boot den USB-Stick an die erste Stelle der Bootreihenfolge setzen.
  4. Im Setup Sprache wählen, auf Weiter klicken, die Option zum Installieren von Windows 11 auswählen und bestätigen, dass dabei alles gelöscht wird. Den Produktschlüssel kannst du mit Ich habe keinen Produktschlüssel überspringen – bei einer Neuinstallation auf demselben PC aktiviert sich Windows später meist automatisch.
  5. Du landest in der Laufwerksauswahl. Dort siehst du alle Laufwerke („Datenträger 0", „Datenträger 1" …) mit ihren Partitionen.
  6. Ganz neu anfangen: Markiere jede Partition des gewünschten Datenträgers und klicke auf Partition löschen, bis nur noch „Nicht zugewiesener Speicherplatz" übrig ist.
  7. Nur eine Partition formatieren: Partition markieren und auf Formatieren klicken.
  8. Jetzt kannst du Windows auf dem freien Speicher installieren (Setup legt die nötigen Partitionen selbst an) – oder das Setup mit dem X abbrechen, wenn du nur löschen wolltest.

Tipp: Auf den Größen erkennst du, welches Laufwerk welches ist. Ziehe vorher alle externen Festplatten und USB-Sticks außer dem Installationsstick ab, damit du nichts Falsches löschst.

Wie du eine ISO-Datei selbst erzeugst, zeigt Eine ISO-Datei erstellen – wie geht das?.

Methode 2: Secure Erase direkt im UEFI

Viele Business-Laptops und neuere Mainboards haben eine Löschfunktion in der Firmware. Sie nutzt den Löschbefehl der SSD selbst und erwischt damit auch Bereiche, die normales Formatieren nicht erreicht.

So findest du sie:

  1. Beim Start ins BIOS/UEFI wechseln (meist Entf, F2, F1 oder F10).
  2. Suche in den Bereichen Security, Tool oder Maintenance nach Begriffen wie „Secure Erase", „Data Wipe" oder „Security Erase HDD Data". Bei MSI liegt die Funktion z. B. unter Security » Secure Erase.
  3. Laufwerk auswählen, Warnung bestätigen und den Vorgang nicht unterbrechen – Netzteil anschließen, Laptop nicht zuklappen.
  4. Danach ist das Laufwerk leer und muss neu eingerichtet werden (z. B. per Windows-Setup).

Nicht jedes Mainboard bietet die Funktion, und manche Laufwerke (z. B. in RAID-Verbünden) werden nicht unterstützt. Dann nutze das kostenlose Tool des SSD-Herstellers, das häufig ebenfalls ein Secure Erase anbietet.

Methode 3: Mit diskpart vollständig löschen

Diese Methode funktioniert im Windows-Setup (Umschalt + F10 öffnet dort die Eingabeaufforderung) oder in einer Administrator-Eingabeaufforderung.

  1. diskpart eingeben und Enter drücken.
  2. list disk zeigt alle Laufwerke mit Nummer und Größe.
  3. select disk 1 – ersetze 1 durch die Nummer des Laufwerks, das gelöscht werden soll.
  4. clean entfernt alle Partitionen in Sekunden. Für eine HDD, die du verkaufen willst, nimmst du stattdessen clean all – das überschreibt jeden Sektor mit Nullen und dauert je nach Größe viele Stunden.
  5. Zum Weiterverwenden: create partition primary, danach format fs=ntfs quick und assign.
  6. Mit exit beenden.

Wichtig: Bei select disk gibt es keine Rückfrage. Die falsche Nummer löscht das falsche Laufwerk.

Methode 4: Zweite Festplatte unter Windows formatieren

Wenn Windows noch startet und du nur ein Daten-Laufwerk leeren willst, brauchst du kein BIOS:

  1. Rechtsklick auf Start » Datenträgerverwaltung.
  2. Rechtsklick auf die Partition des Laufwerks » Formatieren.
  3. Dateisystem wählen (NTFS für Windows, exFAT für den Einsatz an Mac und Windows) und bestätigen.

Das Systemlaufwerk C: lässt sich im laufenden Windows nicht formatieren – dafür brauchst du Methode 1.

Formatieren ist nicht sicheres Löschen

  • Schnellformatierung legt nur ein neues Inhaltsverzeichnis an. Mit Rettungsprogrammen lassen sich Daten häufig wiederherstellen.
  • HDD: Einmaliges vollständiges Überschreiben (clean all) gilt für Privatnutzer als ausreichend.
  • SSD: Überschreiben ist wegen der internen Speicherverwaltung unzuverlässig. Nutze Secure Erase im UEFI oder im Hersteller-Tool.
  • PC komplett verkaufen: Unter Windows 11 geht auch Einstellungen » System » Wiederherstellung » PC zurücksetzen » Alles entfernen. Unter Einstellungen ändern aktivierst du dann Daten bereinigen. Das dauert länger, du musst aber kein Setup starten.

Funktioniert nicht? Das kannst du tun

  • USB-Stick erscheint nicht im Bootmenü: Anderen USB-Port testen (direkt am Mainboard, nicht am Hub), Stick neu erstellen. Bei älteren Systemen im UEFI „Fast Boot" deaktivieren.
  • Setup zeigt kein Laufwerk an: Der Speichercontroller braucht einen Treiber (häufig bei Intel-VMD/RST-Laptops). Treiber vom Hersteller auf den Stick kopieren und im Setup über Treiber laden einbinden.
  • „Windows kann auf diesem Datenträger nicht installiert werden": Alle Partitionen des Datenträgers löschen und im freien Speicher installieren. Bei älteren Systemen ggf. im UEFI den Startmodus auf UEFI stellen.
  • Secure Erase ist ausgegraut: Oft muss erst ein BIOS-Administratorpasswort gesetzt oder der SATA-Modus auf AHCI gestellt werden. Das Handbuch klärt es.
  • Stick ist schreibgeschützt: Siehe Schreibgeschützten USB-Stick formatieren: So hebst du den Schreibschutz auf.

FAQ

Warum kann das BIOS nicht formatieren?

Das BIOS/UEFI initialisiert nur die Hardware und startet ein Betriebssystem. Formatieren heißt, ein Dateisystem wie NTFS, exFAT oder ext4 anzulegen – das ist Aufgabe des Betriebssystems bzw. eines Tools. Secure Erase im UEFI löscht zwar, formatiert aber nicht.

Wie lange dauert das Formatieren?

Schnellformatierung und das Löschen von Partitionen dauern Sekunden. Vollständiges Überschreiben einer großen HDD kann viele Stunden dauern, Secure Erase einer SSD meist nur Minuten.

Muss ich nach dem Löschen Windows neu kaufen?

In der Regel nicht. Die digitale Lizenz ist an die Hardware gebunden, Windows aktiviert sich nach der Neuinstallation meist automatisch.

Was passiert, wenn der PC nicht mehr startet?

Dann erstellst du den Installations-Stick an einem anderen PC. Vorher lohnt ein Blick in Windows startet nicht – was kann ich tun?, falls du Daten noch retten möchtest.