Aktualisiert am 9. Oktober 2026
Kurzantwort
Der C-LAB Falcon MK-X ist die letzte Ausbaustufe des Atari Falcon 030. Die Hamburger Firma C-LAB hatte um die Jahreswende 1994/95 die Rechte an der Falcon-Technik von Atari lizenziert und baute daraus Studiorechner für MIDI und Harddisk-Recording. Der MK-X steckt die Falcon-Technik mit den Audio-Verbesserungen des MK II in ein Vollmetallgehäuse im 19-Zoll-Rackformat mit abgesetzter Tastatur und Platz für digitale Audio-Schnittstellen.
Wie es zum MK-X kam
Atari stellte den Falcon 030 1993/94 ein, weil sich das Unternehmen ganz auf die Spielkonsole Jaguar konzentrierte. Für Musiker war das ein Problem: Der Falcon war mit seinem Motorola-DSP 56001 und dem 16-Bit-Audiosystem die günstigste Plattform für digitales Mehrspur-Recording, und viele Studios arbeiteten ohnehin mit Atari-Sequenzern.
C-LAB, bekannt durch die Sequenzer Creator und Notator, sicherte sich deshalb eine Exklusivlizenz. In einem Interview mit der Zeitschrift Atari Inside (Ausgabe 5/1995) beschrieb die Firma den Vertrag so: Sie durfte Produkte auf Basis der Falcon-Technologie für den Musikinstrumenten- und Pro-Audio-Markt entwickeln, herstellen und weltweit vertreiben und dabei Motherboard, Gehäuse und Betriebssystem verbessern. Im selben Interview kündigte C-LAB für das laufende Jahr eine 19-Zoll-Rackvariante mit Erweiterungen für MIDI, Bandsynchronisation und S/PDIF an. Das war der spätere MK-X.
Die Modellreihe im Überblick:
| Modell | Gehäuse | Wichtigste Änderung |
|---|---|---|
| Atari Falcon 030 | Kunststoff, Tastatur integriert | Originalmodell (1992) |
| C-LAB Falcon MK I | wie Atari | Fortführung mit TOS 4.04 |
| C-LAB Falcon MK II | wie Atari | Audio auf Line-Pegel, interne SCSI-Festplatte |
| C-LAB Falcon MK-X | Vollmetall, 19-Zoll-Rackformat | externe Tastatur, Einbauplatz für Digital-Interface |
Technik: Was im MK-X steckt
Die Rechnerbasis entspricht dem Falcon 030:
- CPU: Motorola 68030 mit 16 MHz, Sockel für eine optionale FPU 68881/68882
- DSP: Motorola 56001 mit 32 MHz, zuständig für Echtzeit-Effekte und Audio
- Audio: 16-Bit-Wandler, bis zu acht DMA-Tonkanäle, Abtastraten bis rund 50 kHz
- Betriebssystem: TOS 4.0x im ROM, kompatibel zu den meisten ST- und Falcon-Programmen
- Schnittstellen: MIDI In/Out, SCSI-2, DSP-Port, seriell, parallel
Dazu kommen die Änderungen für den Studioeinsatz:
- Metallgehäuse im Rackformat statt des Heimcomputer-Gehäuses im 1040-Stil
- Abgesetzte Tastatur: eine Mega-ST-Tastatur oder über ein Interface eine PC-Tastatur
- Einbauplatz für ein Digital-Interface (S/PDIF oder ADAT von Soundpool) direkt im Gehäuse. Diese Interfaces nutzen den DSP-Port des Falcon.
- Studiotaugliche Audio-Anschlüsse: je zwei 6,3-mm-Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgang. Laut überlieferten Herstellerangaben liegt der Nominalpegel bei –10 bis +4 dB, der Frequenzgang bei ±0,5 dB und der Geräuschspannungsabstand über 80 dB. Diese Pegelanpassung stammt vom MK II.
In der Literatur wird das Gehäuse teils als 1-HE-Rackgehäuse beschrieben, teils einfach als Metall-Desktop. Beides passt zusammen: Das Gerät ließ sich ins Rack schrauben oder auf den Tisch stellen.
Preis und Verbreitung
Für Anfang 1996 ist ein Preis von rund 3.000 DM überliefert. Das galt für ein Gerät mit Mega-ST-Tastatur, 4 MB RAM und interner 2,1-GB-Festplatte. Der Wert lässt sich heute nicht mehr über eine unabhängige Quelle prüfen. Offizielle Stückzahlen gibt es nicht. Der MK-X gilt aber als deutlich seltener als der Atari Falcon 030 und der MK II.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Ein MK-X taucht nur selten auf, meist aus Studioauflösungen. Prüfe vor dem Kauf:
- Echtheit: Typenschild und Gehäuse prüfen. Umgebaute Atari Falcon in Fremdgehäusen gibt es häufiger als echte MK-X.
- Tastatur und Interface: Ist die passende Tastatur dabei? Bei PC-Tastaturen braucht es das Interface.
- Festplatte: Alte SCSI-Platten fallen oft aus. Moderne SCSI-Emulatoren mit Speicherkarte sind ein üblicher Ersatz.
- Audio: Ein- und Ausgänge mit Kopfhörer oder Mischpult testen, auch auf Brummen oder Rauschen.
- Digital-Interface: Ist das S/PDIF- oder ADAT-Modul eingebaut, und läuft die passende Software dazu?
- Software-Lizenzen: Musiksoftware aus der Zeit war oft mit Dongle geschützt. Fehlt er, laufen die Programme nicht.
Mehr zur Ausgangsbasis findest du in unserem Profil des Atari Falcon 030: Ataris letzter Computer im Porträt. Die direkte Vorstufe beschreibt der Artikel zum C-Lab Falcon MK II: der Atari Falcon fürs Tonstudio. Wie Atari den Falcon ursprünglich entwickelte, zeigt der Beitrag zum Prototyp Atari FX-1 / Sparrow: der Entwickler-Prototyp des Falcon 030.
FAQ
Ist der Falcon MK-X ein eigener Computer oder ein Atari Falcon?
Technisch ist er ein Falcon 030 mit Verbesserungen von C-LAB. Er läuft mit TOS 4.0x und ist weitgehend kompatibel zur Falcon-Software.
Was ist der Unterschied zum Falcon MK II?
Der MK II nutzt noch das Atari-Gehäuse. Der MK-X hat ein Metallgehäuse im Rackformat, eine externe Tastatur und einen Einbauplatz für ein S/PDIF- oder ADAT-Interface.
Lohnt sich ein MK-X heute noch fürs Musikmachen?
Als MIDI-Sequenzer mit Programmen wie Cubase oder Notator ist er noch nutzbar. Für modernes Recording ist er zu langsam. Heute ist er vor allem ein Sammlerstück.
Kann ich Falcon-Software im Emulator testen, bevor ich kaufe?
Ja. Der freie Emulator Hatari kann einen Falcon nachbilden. So kannst du prüfen, ob deine Programme laufen.







