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Atari EST: Der „Extended ST“, der nie erschien

Aktualisiert am 9. Oktober 2026

Kurzantwort

Der Atari EST („Extended ST“) war ein angekündigter, aber nie verkaufter Nachfolger der ST-Reihe mit deutlich besserer Grafik. Atari-Chefentwickler Shiraz Shivji stellte ihn im September 1987 auf der ersten internationalen Atari-Messe in Düsseldorf vor. Erscheinen sollte er zur CeBIT im März 1988. Geplant waren 1280 × 960 Punkte monochrom und 256 gleichzeitige Farben aus 4.096. Der EST kam nie auf den Markt. Seine Grafikdaten tauchten später fast identisch im Atari TT030 (1990) auf.

Was 1987 offiziell angekündigt wurde

Die erste internationale Atari-Messe fand vom 18. bis 20. September 1987 in Düsseldorf statt. Laut dem Messebericht der ST-Computer (Ausgabe 11/1987) kamen fast 20.000 Besucher. Am meisten Andrang herrschte beim Vortrag „Future Developments“ von Shiraz Shivji, dem Vater der ST-Modelle. Er stellte drei Projekte vor:

Projekt Angekündigte Eckdaten (ST-Computer 11/1987) Was daraus wurde
EST (Extended ST) 68000-CPU, 1280 × 960 monochrom, 256 aus 4.096 Farben, für DTP und CAD, geplant zur CeBIT 1988 nie erschienen
68030-Workstation Unix, Mega ST als Bildschirmstation, ab etwa 6.000 DM Grundlage des Atari TT030 (1990)
Transputer-Rechner INMOS T800, modular erweiterbar Atari Transputer Workstation (ATW)

Der EST sollte also kein schnellerer, sondern vor allem ein grafisch stärkerer ST werden. Die geplante Monochrom-Auflösung hätte rund die fünffache Pixelzahl des damaligen ST-Monochrommodus (640 × 400) geboten. Damit zielte Atari auf den wachsenden DTP- und CAD-Markt, in dem der ST besonders in Deutschland stark war.

Widersprüchliche Angaben zur Technik

Über die Hardware des EST kursieren unterschiedliche Angaben. Das liegt daran, dass nie ein Seriengerät erschien.

  • Laut ST-Computer 11/1987 sollte der EST einen Motorola 68000 nutzen, also denselben Prozessor wie die ST-Modelle.
  • Andere Überlieferungen, auf die sich auch frühere Versionen dieser Seite stützten, nennen einen 68020 mit Coprozessor 68881/68882, 4 MB RAM und sechs neue Custom-Chips, darunter einen „Blitter 2“ und einen „Shifter 2“. Der Preis soll bei rund 3.000 US-Dollar gelegen haben. Für diese Angaben haben wir keine zeitgenössische Quelle gefunden. Taktfrequenzen sind in keiner Quelle genannt.

Plausibel ist, dass sich das Konzept während der Entwicklung verändert hat. Auf der Messe 1987 wurde auch über ein Modell mit 68020 gemunkelt. Laut Wikipedia war der spätere TT anfangs um einen 68020 herum entworfen, bevor Atari auf den 68030 umstieg.

Vom EST zum TT

Der Atari TT030 erschien 1990 mit 68030-CPU. Seine Grafikdaten erinnern stark an die EST-Ankündigung:

  • TT-Hochauflösung: 1280 × 960 Punkte monochrom (mit speziellem 19-Zoll-Monitor)
  • Farbmodus: 256 Farben aus einer Palette von 4.096 (in 320 × 480)

Der Startpreis des TT lag laut Wikipedia bei 2.995 US-Dollar. Das passt auffällig zu dem für den EST überlieferten Preis. Wahrscheinlich flossen die EST-Pläne in den TT ein. Eine offizielle Bestätigung von Atari dafür gibt es aber nicht.

Einordnung

Der EST zeigt, wie Atari 1987 den Erfolg des ST im professionellen Bereich ausbauen wollte. Tatsächlich erschienen in dieser Zeit die Atari Mega ST 1/2/4: der Profi-ST mit Blitter und abgesetzter Tastatur mit abgesetzter Tastatur, und der Atari 1040 STF / STFM: Der Megabyte-Rechner, der Studios und Büros eroberte blieb das Volumenmodell. Die nächste große Grafikneuerung für Heimanwender kam erst 1992 mit dem VIDEL-Chip im Atari Falcon 030: Ataris letzter Computer im Porträt.

Für Sammler: Ein verkaufter EST ist nicht bekannt. Angebote unter diesem Namen solltest du sehr kritisch prüfen und dir Herkunft und Dokumentation zeigen lassen.

FAQ

Ist der Atari EST jemals erschienen?

Nein. Er wurde 1987 für die CeBIT 1988 angekündigt, kam aber nie in den Handel.

Welchen Prozessor hatte der EST?

Das ist nicht eindeutig. Der Messebericht von 1987 nennt einen 68000, andere Überlieferungen einen 68020 mit FPU. Ein Seriengerät zum Nachprüfen gibt es nicht.

Was hat der EST mit dem Atari TT zu tun?

Die angekündigten Grafikdaten (1280 × 960 monochrom, 256 aus 4.096 Farben) finden sich fast identisch im TT030 von 1990. Vermutlich ging das EST-Konzept im TT auf.

Wofür steht EST?

Für „Extended ST“, also einen erweiterten ST.