die zukunft der automobilindustrie

Die Zukunft der Automobilindustrie – Wie SAP Automotive die Entwicklung von elektrischen und autonomen Fahrzeugen unterstützt

Aktualisiert am 9. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • SAP for Automotive ist das Branchenportfolio von SAP für Autohersteller und Zulieferer: ERP (SAP S/4HANA) mit branchentypischen Prozessen plus Cloud-Lösungen für Lieferkette, Produktion, Nachhaltigkeit und Service.
  • SAP steuert die Geschäftsprozesse rund ums Fahrzeug, nicht das Fahrzeug selbst. Fahrerassistenz, Sensorverarbeitung und autonome Fahrfunktionen laufen auf eigenen Fahrzeugplattformen.
  • Die wichtigsten Treiber 2026: Batteriepass ab 18. Februar 2027, CO₂-Transparenz in der Lieferkette, Datenaustausch über Catena-X, Zollrisiken und das Wartungsende von SAP ECC (Ende 2027, optional bis Ende 2030).

Was ist SAP for Automotive?

SAP bietet für die Automobilindustrie kein einzelnes Produkt „SAP Automotive“, sondern eine Branchenlösung aus mehreren Bausteinen. Laut SAP-Branchenseite gehören dazu unter anderem Produktlebenszyklus-Management, Lieferketten-Resilienz, CO₂-Tracking und Materialrückverfolgung, KI-gestützte Fertigungssteuerung, digitale Zwillinge, Compliance-Prüfungen und das SAP Industry Network for Automotive für die Zusammenarbeit mit Lieferanten.

Den Kern bildet in den meisten Unternehmen SAP S/4HANA als ERP-System. Dort laufen Einkauf, Produktion, Logistik, Vertrieb und Finanzen zusammen, ergänzt um Automotive-spezifische Abläufe.

Was SAP kann und was nicht

SAP-Aufgabe (Geschäftsprozesse) Keine SAP-Aufgabe (Fahrzeugtechnik)
Planung von Material, Kapazität und Lieferungen Verarbeitung von Kamera-, Radar- und Lidar-Daten im Fahrzeug
Lieferabrufe, Just-in-Time/Just-in-Sequence Entscheidungen autonomer Fahrfunktionen
Rückverfolgbarkeit von Bauteilen und Batterien Steuergeräte-Software, Fahrzeugbetriebssystem
Garantie, Ersatzteile, Werkstattprozesse Durchführung von Over-the-Air-Updates
Abrechnung von Abos und Zusatzfunktionen Cloud-Backends für Fahrzeug-Telemetrie (meist eigene Plattformen)

Für autonome und vernetzte Fahrzeuge spielt SAP deshalb eine indirekte Rolle: Es organisiert Entwicklung, Varianten, Lieferkette, Produktion und Service. Die Technik im Auto kommt von den Herstellern selbst und ihren Software-Partnern.

Die wichtigsten Einsatzbereiche

1. Lieferkette: Just-in-Time und Just-in-Sequence

Autowerke arbeiten mit minimalen Lagerbeständen. Zulieferer liefern Sitze, Cockpits oder Batteriemodule oft in exakt der Reihenfolge, in der die Fahrzeuge vom Band laufen. S/4HANA verarbeitet dafür Lieferabrufe und Sequenzabrufe der Hersteller, meist über EDI. Fällt eine Lieferung aus, steht im Zweifel das Band. Deshalb gehören Transparenz über mehrere Lieferantenstufen und Simulationen, etwa zu Zollkosten, zu den Schwerpunkten.

2. Nachhaltigkeit und Materialtransparenz

Hersteller müssen den CO₂-Fußabdruck ihrer Fahrzeuge und Bauteile zunehmend belegen, auch gegenüber Kunden und Investoren. SAP Automotive unterstützt Hersteller dabei, Prozesse zu optimieren, um den Energieverbrauch zu senken und Abfallmengen zu reduzieren. In der Praxis heißt das vor allem: Verbrauchs- und Emissionsdaten je Produkt erfassen, Materialzusammensetzungen dokumentieren und Lieferantendaten einbinden, statt Schätzwerte zu verwenden.

3. Batteriepass und Rückverfolgbarkeit

Für E-Autos kommt eine neue Pflicht: Nach der EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 braucht ab dem 18. Februar 2027 jede neu in Verkehr gebrachte Batterie für Elektrofahrzeuge, für leichte Verkehrsmittel und jede Industriebatterie über 2 kWh einen elektronischen Batteriepass. Er enthält unter anderem Angaben zu Herkunft, Zusammensetzung, CO₂-Bilanz und Recyclinganteilen. Die Daten stammen aus vielen Stufen der Lieferkette, vom Rohstoff bis zur Montage. Genau hier werden ERP, Produktionssysteme und Lieferantennetzwerke gebraucht.

4. Datenaustausch über Catena-X

Catena-X ist ein offenes Datenökosystem der Automobilindustrie für den standardisierten, souveränen Datenaustausch entlang der Lieferkette. Nach eigenen Angaben ist das Netzwerk auf über 1.000 Unternehmen gewachsen. Typische Anwendungsfälle sind CO₂-Werte von Bauteilen, Rückverfolgbarkeit und Qualitätsdaten. SAP gehört zu den Gründungsmitgliedern und bietet Anbindungen an das Netzwerk an.

5. Aftersales, Service und Software-Funktionen

Nach dem Verkauf verdienen Hersteller an Ersatzteilen, Wartung und zunehmend an digitalen Zusatzfunktionen. SAP-Systeme steuern Ersatzteillogistik, Garantieabwicklung und die Abrechnung von Abonnements. Die eigentliche Software-Aktualisierung im Fahrzeug übernimmt die Fahrzeugplattform des Herstellers.

Der Umstieg auf S/4HANA: Zeitdruck bis 2027

Viele Zulieferer arbeiten noch mit dem Vorgängersystem SAP ECC (Business Suite 7). SAP hat angekündigt, die reguläre Wartung dafür Ende 2027 auslaufen zu lassen. Gegen Aufpreis gibt es eine optionale verlängerte Wartung bis Ende 2030. Für Unternehmen heißt das: Wer die Migration noch nicht geplant hat, gerät spätestens jetzt unter Zeitdruck. Branchentypische Anpassungen wie JIT-Abwicklung, EDI-Anbindungen und Variantenkonfiguration sind dabei häufig die aufwendigsten Teile.

Wie man solche Großprojekte ohne Verzögerungen steuert, zeigt unser Artikel Digitales Projektmanagement: 5 Fallstricke. Wer über Cloud-Betrieb nachdenkt, findet Grundlagen in unserem Beitrag zu skalierbaren Cloud-Lösungen.

Einführung: Worauf es beim Partner ankommt

Die Einführung oder Migration von SAP erfordert fast immer einen Implementierungspartner mit Branchenerfahrung. Diese Voraussetzung erfüllt die Firma Hicron , die seit vielen Jahren auf dem internationalen Markt tätig ist und als Experte für SAP Development und weitere Dienstleistungen gilt. Unabhängig vom Anbieter solltest du bei der Auswahl diese Punkte prüfen:

  1. Referenzen in der Automobilbranche, idealerweise bei Unternehmen ähnlicher Größe und Lieferstufe (OEM, Tier 1, Tier 2).
  2. Erfahrung mit JIT/JIS und EDI der relevanten Hersteller.
  3. Migrationsstrategie: Neuimplementierung (Greenfield), Systemkonvertierung (Brownfield) oder selektive Datenübernahme, mit nachvollziehbarer Begründung.
  4. Nachhaltigkeits- und Batteriepass-Kompetenz, weil diese Anforderungen jetzt in Projekte einfließen.
  5. Betrieb nach dem Go-live: Support-Modell, Reaktionszeiten, Sprache und Zeitzone.
  6. Realistischer Zeit- und Kostenplan inklusive Tests, Datenbereinigung und Schulungen.

FAQ

Was ist SAP for Automotive?

Das Branchenportfolio von SAP für Autohersteller und Zulieferer, aufbauend auf S/4HANA und ergänzt um Cloud-Lösungen für Lieferkette, Produktion, Nachhaltigkeit und Service.

Steuert SAP autonome Fahrzeuge?

Nein. SAP organisiert Geschäftsprozesse wie Planung, Beschaffung, Produktion und Service. Die Fahrzeugsoftware und die Verarbeitung von Sensordaten laufen auf eigenen Plattformen der Hersteller.

Ab wann ist der Batteriepass Pflicht?

Ab dem 18. Februar 2027 für Batterien von Elektrofahrzeugen, leichten Verkehrsmitteln und Industriebatterien über 2 kWh, die in der EU in Verkehr gebracht werden.

Wie lange wird SAP ECC noch gewartet?

Die reguläre Wartung endet Ende 2027. Eine optionale, kostenpflichtige Verlängerung ist bis Ende 2030 möglich.

Was ist Catena-X?

Ein offenes Datenökosystem der Automobilindustrie, über das Unternehmen Daten wie CO₂-Werte oder Rückverfolgbarkeitsinformationen standardisiert und kontrolliert austauschen.