Kendo – Alles über die japanische Kampfkunst mit einem Bambusschwert!

Als eine abgewandelte Form des Schwertkampfes der Samurai ist Kendo die vielleicht angriffslustigste aller japanischen Kampfkünste. Der Fokus liegt deutlich auf dem Austeilen von Schlägen, die Verteidigung spielt eine untergeordnete Rolle.

Das Motto lautet: Wer verteidigt, verpasst die Gelegenheit zum Angriff! Angegriffen wird bei dieser Kampfsportart mit einem ungewöhnlichen Schwert aus Bambus. Mit diesem sind punktgenaue Treffer am gegnerischen Körper zu platzieren. Um die Kampftechnik zu perfektionieren bedarf es mehr als Körperkraft und Taktik, denn Kendo versteht sich auch als eine Charakterschule.

Was ist Kendo?

Kendo ist eine moderne Art des japanischen Schwertkampfs. Der Begriff setzt sich zusammen aus „Ken“, dem japanischen Wort für Schwert, und „Do“, dem Weg. Zusammengesetzt bedeutet es so viel wie „der Weg des Schwerts“.

Ziel des Kampfs ist es, an bestimmten Punkten des gegnerischen Körpers mit seinem Schwert, dem Shinai, Treffer zu landen. Der Aspekt der Verteidigung tritt in den Hintergrund. Jedoch liegt der Fokus nicht nur auf der Technik des Kampfes: „Do“ kann auch als Lebensweg verstanden werden. In diesem Sinne dient Kendo dazu, den Charakter zu schulen sowie respektvolles und moralisches Handeln zu lehren.

In seiner heutigen Form entstammt diese japanische Kampfkunst der Mitte des 19. Jahrhunderts und wird in einem Dojo gelehrt. Heutzutage zählt es in seinem Heimatland Japan zu den beliebtesten Sportarten und wird sogar in Schulen unterrichtet.

Seit Mitte der 1960er Jahre findet Kendo in Deutschland Verbreitung. Damals waren es Kämpfer anderer fernöstlicher Kampfsportarten wie Judo, die erstmals mit Kendo in Berührung kamen und es weiter verbreiteten.

Die Ausrüstung beim Kendo

Die Ausrüstung eines Kendo-Kämpfers, Kendoka genannt, besteht aus insgesamt drei Bestandteilen: Der Waffe, der Rüstung sowie der Kleidung, die man darunter trägt. Die einzelnen Ausrüstungsteile und ihre Komponenten werden nun kurz vorgestellt.

Die Kleidung

Hakama bezeichnet das Unterteil des Trainingsanzugs. Eine Art Hosenrock, der viel Beinfreiheit bietet und von der Taille bis zu den Füßen reicht.

Gi ist die Jacke des Trainingsanzugs. Sie wird mit zwei Schleifen an der Brust gebunden und hat kurze Ärmel, um beim Umgang mit der Waffe nicht zu stören.

Sowohl Hakama als auch Gi sind meist in dunkelblau gehalten. Nur vereinzelt sind weiße Trainingsanzüge vorzufinden. Diese sollen die spirituelle Reinheit des Kämpfers symbolisieren. Kendo wird barfüßig ausgeführt.

Die Rüstung

  • Men: Kopfschutz, der, ungleich eines Helms, auch Schultern und Kehle des Kämpfers schützt. Das Gesicht ist durch ein Gitter geschützt.
  • Kote: Lange Handschuhe zum Schutz der Hände, Handgelenke und Unterarme.
  • Do: Ein Brustpanzer, der den Rumpf vor Treffern schützt. Oft mit aufwendigen Verzierungen oder dem Wappen der Kampfschule versehen.
  • Tare: Der Lendenschutz, der die inneren Organe, wie die Nieren, vor harten Treffern schützt. Er besteht aus fünf Lappen, die eine größtmögliche Bewegungsfreiheit gewährleisten sollen. Am oberen Rand des Tare steht üblicherweise der Name des Kendokas.

Die komplette Rüstung wird mit dem japanischen Wort Bogu bezeichnet. Die vier Teile der Bogu entsprechen den vier Trefferzonen beim Kendo: Kopf, Kehle, Handgelenke sowie Brust.

Die Waffen

Shinai, ein Schwert aus vier Bambusstreben, die am Griff (Tsukagawa) und durch eine Lederkappe an der Spitze (Sakigawa) zusammengehalten werden. Für eine optimale Festigkeit ist im oberen Drittel ein weiteres Lederband (Nakayui) angebracht.

Die maximale Länge des Shinai beträgt 1,2 Meter, die Spitze muss mindestens einen Durchmesser von 25 Millimetern haben. Das Schwert muss 510 Gramm wiegen (bei den Herren, bei Damen nur 440 Gramm).

Es gibt auch Shinai aus Carbon. Diese sind langlebiger und flexibler, kosten aber wesentlich mehr als das traditionelle Shinai aus Bambus.

In der Kendo Kata kommt ein sogenanntes Bokuto, auch Bokken genannt, zum Einsatz. Dieses Holzschwert gibt es als Langschwert und Kurzschwert.

Die Grundlagen des Kendos

Das oberste Ziel beim Kendo ist das Beherrschen der vier Grundtechniken. Diese richten sich, wie bereits angedeutet, auf die mit der Rüstung geschützten Körperpartien und werden im Japanischen Kihon-waza genannt. Sie setzen sich zusammen aus:

  • Shomen-Uchi: Gerader Hieb zum Kopf
  • Tsuki : Stoß zur Kehle
  • Kote-Uchi : Hieb zum rechten Handgelenk
  • Do-Uchi : Hieb zur rechten Bauchseite

Beim Ausführen einer dieser Techniken ist das Ziel des Schlags mit einem Kampfschrei zu benennen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Treffer gezielt gesetzt und kein Zufallsergebnis ist.

Die vier Grundschläge werden in Einzelübungen ohne Partner (Suburi) oder in Partnerübungen trainiert. Beim Üben mit einem Trainingspartner ist der Ablauf der einzelnen Bewegungsabläufe oft festgelegt (Kinikaeshi). Neben den Schlagtechniken wird die Fußarbeit trainiert (Ashi-Sabaki).

Da die Kampftechnik allein nicht im Mittelpunkt steht, gibt es im Kendo eine Reihe von Verhaltensregeln, die für ein respektvolles Miteinander vor und nach dem Kampf sorgen. Dazu zählen:

  • Die Reiho: Eine Art Etikette, die beispielsweise festlegt, dass das Dojo nicht mit Schuhen zu betreten ist. Zudem ist es untersagt, die Ausrüstung des Kontrahenten anzufassen oder über sie drüber zu steigen. Die Reiho ist auch Bestandteil bei der Beurteilung von Prüfungen.
  • Sitzmeditation: Vor dem Aufwärmen begeben sich die Kämpfer in eine meditative Phase und nehmen die Seiza, die traditionelle japanische Sitzhaltung auf den Schienbeinen, ein.

Diese Übungen haben zum Ziel, den Kendoka in eine innere Haltung zu versetzen, in der er eine Einheit aus Körper, Geist und Shinai bzw. Bokuto bei der Kendo Kata bildet.

Kata und Stile im Kendo

Kata

Neben dem Training der Grundtechniken sowie der Meditation nimmt auch die Kata eine wichtige Rolle im Kendo ein. Bei diesen Formen führen Schüler (Shidachi) und Lehrer (Uchidachi) vorgeschriebene Bewegungsabläufe aus. Im Kendo unterscheiden Kämpfer zwischen der Nihon Kendo Kata und der Kihon Kendo Kata:

Nihon Kendo Kata:

  • Besteht aus zehn verschiedenen Formen
  • Kata 1 bis 7 werden mit dem langen Bokuto, einem Holzschwert, gekämpft statt mit dem Shinai
  • Für Kata 8 bis 10 verwenden Shidachi und Uchidachi ein kurzes Bokuto
  • Bei dieser Kata wird keine Rüstung getragen.
  • Wichtig bei dieser Form: Konzentration, Körperspannung und flüssige Bewegungsabläufe mit einem korrekten Timing

Kihon Kendo Kata:

  • Besteht aus neun Formen
  • Kata dient als Ergänzung für den Kampf mit dem Shinai
  • Formen sind nicht Bestandteil der Prüfungsordnung
  • Bei dieser Kata wird keine Rüstung getragen.
  • Ziel dieser Form: Training der Grundtechniken und der Umgang mit dem Schwert

Stile

Grundsätzlich eröffnet der Uchidachi den Kampf, während der Schüler ihn immer beendet und somit gewinnt. Dabei steht jedoch nicht der Sieg an vorderster Stelle – gemäß dem fernöstlichen Motto „Der Weg ist das Ziel“ liegt der Fokus auf die korrekte Umsetzung der Technik. Darüber hinaus haben sie im Laufe der Jahre neben dem klassischen Kendo weitere Stile herausgebildet und etabliert. Dazu gehören:

Katate:

  • Bezeichnet den einhändigen Kampf.
  • Kann im normalen Kampf als Variation eingesetzt werden.

Jodan:

  • Die Grundhaltung verändert sich und das Schwert wird über dem Kopf erhoben.
  • Diese Art des Angriffs kann auch einhändig erfolgen.

Nito:

  • Bezeichnet den Kampf mit zwei Schwertern.
  • Dabei handelt es sich um ein Lang- und ein Kurzschwert.
  • Das Kurzschwert wird fast ausschließlich vor dem Körper gehalten. Es dient zur Ablenkung und zur Abwehr.

Kendo als Wettkampfsport: Kampfablauf und Meisterschaften

Beim Kendo wird in einer Fläche mit einer Größe von zehn mal zehn Metern gekämpft, während drei Schiedsrichter anwesend sind. Die Kampfzeit beträgt, je nach Klasse, drei oder fünf Minuten. Ziel ist es, zwei Punkte durch gültige Treffer (Ippon) zu erreichen.

Ist die Kampfzeit abgelaufen, reicht ein Treffer Vorsprung für den Sieg. Unentschieden sind auch möglich. Auf diese folgt entweder eine Verlängerung oder eine Schiedsrichterentscheidung.

Damit ein Treffer gültig ist, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Der Kampfschrei muss erfolgt sein.
  • Die Technik, inklusive der Fußarbeit, muss exakt ausgeführt worden sein. Dies gilt als Zeichen für die erreichte Einheit von Körper, Geist und Schwert.
  • Der Treffer muss mit dem vorderen Drittel des Shinai erfolgen.
  • Der Angreifer darf zu keinem Zeitpunkt, auch nicht nach dem Schlag, die Kontrolle über eine Körperhaltung verlieren und muss stets das Gleichgewicht wahren.
  • Ein Regelverstoß zieht eine Gutschrift von einem halben Punkt für den Gegner nach sich.

Wettkämpfe im Kendo werden sowohl im Einzelkampf als auch in Teams ausgetragen. Neben diversen regionalen Wettkämpfen werden seit 1970 von der Internationalen Kendo Föderation Weltmeisterschaften ausgetragen. Die Weltmeisterschaften werden immer noch von Japan dominiert – lediglich im Jahr 2006 wurde ein Südkoreaner Weltmeister.

Die Weltmeisterschaften im Kendo finden alle drei Jahre statt. Im Rahmen dieser werden auch Prüfungen für Dan-Grade und Kampfrichter abgenommen. Seit 1974 finden auch Europäische Meisterschaften in dieser Sportart statt.

Diese werden von der Europäischen Kendo Föderation in jedem Jahr organisiert, in dem keine Weltmeisterschaften stattfinden. Die deutschen Kendokas schneiden im europaweiten Vergleich sehr gut ab und befinden sich oft unter den ersten drei Rängen.

Kendo lernen: Die Grade

Die Ausbildung im Kendo erfolgt in Deutschland anders als im Ursprungsland Japan. Bevor hierzulande mit den traditionellen Meisterprüfungen, den Dan-Graden, begonnen wird, sind sechs Schülergrade, sogenannte Kyugrade, zu bestehen. Diese sind vom Deutschen Kendobund festgelegt. Jeder Grad wird durch eine Prüfungsleistung erreicht.

Traditionell gibt es in Japan zehn Meistergrade. Der neunte und zehnte Grad sind allerdings Ehrengrade, die man nicht durch eine Prüfung, sondern nur mittels einer Nominierung erreichen kann. Dies ist heutzutage nicht mehr üblich.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Dan-Grade und ihre Anforderungen:

1. DanBestehen aller Schülergrade, mindestens 14 Jahre alt
2. DanMind. ein Jahr Abstand zum 1. Dan
3. DanMind. zwei Jahre Abstand zum 2. Dan
4. DanMind. drei Jahre Abstand zum 3. Dan
5. DanMind. vier Jahre Abstand zum 4. Dan
6. DanMind. fünf Jahre Abstand zum 5. Dan
7. DanMind. sechs Jahre Abstand zum 6. Dan
8. DanMind. zehn Jahre Abstand zum 7. Dan und ein Mindestalter von 46 Jahren

Jede Dan-Prüfung besteht im Kendo aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Doch achte Grad wird nur von den wenigsten Kendokas erreicht: Weniger als ein Prozent bestehen die Prüfung, die traditionell in Japan abgehalten wird. Der deutsche Nationaltrainer Sascha Schullke hat übrigens den fünften Dan-Grad.

Die Prüfungsordnung für Kyu- sowie Dan-Grade im Kendo finden Sie auf der Webseite des Deutschen Kendobundes e.V.

Kendo Vereine und Verbände

Wer sich für Kendo interessiert und diese japanische Kampfkunst erlernen möchte, findet überall in Deutschland Vereine, die Schnupperstunden anbieten. Teilnehmen können sowohl Kinder als auch Erwachsene.

Neulinge sind mit einem Anfängerkurs oder einem Kendo Training gut beraten, das sich vorwiegend an Anfänger oder Kendoka mit Schülergraden richtet. In einem solchen Anfängerkurs beginnt der Uchidachi mit den Grundlagen, was Ihnen den Einstieg in diesen Kampfsport erleichtert.

Auf überregionaler Ebene ist Kendo in diversen Verbänden organisiert. In Deutschland veranstaltet der Deutsche Kendobund nationale Wettkämpfe und regelt die Ausbildung für Kendomeister und Kampfrichter.

Das österreichische Pendant ist der Österreichische Kendo Verband, in der Schweiz agiert der Swiss Kendo + Iaido-Verband. Darüber hinaus gibt es die Europäische Kendo Föderation sowie die Internationale Kendo Föderation, die ein europa- beziehungsweise weltweites Netzwerk betreiben.

Kleines Glossar der japanischen Begriffe im Kendo

Im Deutschen werden japanische Bezeichnungen für die Kommandos und anderen Begriffe im Kendo verwendet. Dies erleichtert beim internationalen Aufeinandertreffen die Kommunikation und soll dabei helfen, die japanische Mentalität zu verinnerlichen.

Hier noch einmal eine Übersicht aller in diesem Artikel verwendeten japanischen Ausdrücke mit ihrer deutschen Übersetzung:

HakamaHose des Trainingsanzugs
GiOberteil des Trainingsanzugs
BoguRüstung
BokutoKurz- oder Langschwert aus Holz, kommt in den Katas statt des Shinai zum Einsatz
MenSchlag auf den Kopf / Kopfschutz
DoSchlag auf die Brust / Brustpanzer
TareLendenschutz
KoteHandschuhe
ShinaiBambus-Schwert
TsukagawaGriff des Shinai
SakigawaLederkappe an der Spitze des Shinai
NakayuiLederband, dass das obere Drittel des Shinai markiert
BokkenAndere Bezeichnung für Bokuto, einem Holzschwert für die Kendo Kata
Kihon-wazaVier Grundtechniken
Shomen-UchiGerade Hieb zum Kopf
Tsuki:Stoß zur Kehle
Kote-UchiHieb zum rechten Handgelenk
Do-UchiHieb zur rechten Bauchseite
ReihoVerhaltensregeln
SeizaAuf den Schienbeinen sitzende Position für die Meditation vor dem Kampf
SuburiSchlagübungen ohne Partner
KinikaeshiPartnerübung
Ashi-SabakiÜbungen für die Fußarbeit
IpponGültiger Treffer
DanMeistergrad

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